Neil Diamond: München, Olympiahalle (19.06.)

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Neil Diamond: München, Olympiahalle (19.06.)

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Neil Diamond 2008a @ Jesse Diamond_BEARBEmpathie und Euphorie dank zeitloser Songs

Eine gerappte Strophe bei ›Red Red Wine‹ und Online-Grüße von Konzertbesuchern auf der Videoleinwand – was man für eine Anbiederung an den Zeitgeschmack halten könnte, ist bei Neil Diamond vielmehr die lässige Geste eines 74-jährigen Gentlemans und Show-Entertainers, der längst über den Zeitläufen steht. Und das liegt an diesen wahrlich zeitlosen Songs, die der Singer/Songwriter an einem magischen Abend seinen gut 11.000 Fans in der ausverkauften Münchner Olympiahalle kredenzte. Im perfekt abgemischten Sound (was bei 13 Musikern auf der Bühne eine beachtliche Leistung ist) präsentierte der in den 60ern von den legendären Brill-Building-Songwritern Jeff Barry und Ellie Greenwich protegierte Künstler zwei Stunden lang einen schier unendlichen Hitreigen, der aber niemals Gefahr lief, in eine nos­talgische Oldie-Show abzugleiten. Denn zum einen konnte er es sich leisten, auf Klassiker wie ›Solitary Man‹ oder ›Song Sung Blue‹ zu verzichten, zum anderen hält Neil Diamond die Interpretationen der Songs und auch die Setlist frisch. Noch zwei Tage zuvor, in der Kölner Lanxess Arena, hatte er mit ›America‹ einen Song gesungen, der in München nicht im Programm auftauchte. Dafür spielte er in der Olympiahalle gleich drei statt nur zwei Songs aus seinem aktuellen Album MELODY ROAD. Auch bei den neuen Stücken hören die Leute zu, weil sie spüren, hier singt einer nicht nur über das Leben – Neil-Diamond-Songs sind das Leben. Ob es um den schwierigen Schritt zum Erwachsenwerden geht (in einer Gänsehautversion von ›Brooklyn Roads‹) oder die seligmachende Kraft der Liebe (beim Oktoberfest-gestählten ›Sweet Caroline‹), Neil Diamond löst bei den Zuhörern etwas aus, was nur wenigen Künstlern gelingt: Euphorie und Empathie, gleichzeitig aber auch das Wissen um die Vergänglichkeit. Unter den Songwritern seiner goldenen Generation wie den nur ein Jahr jüngeren Paul McCartney oder Brian Wilson ist er – und man verzeihe das Wortspiel – der Diamant, der die Menschen zum Funkeln bringt.

Setlist
I’m A Believer, Love On The Rocks,
Hello Again, Pretty Amazing Grace,
Kentucky Woman, You Got To Me,
Girl, You’ll Be A Woman Soon,
Play Me, Red Red Wine,
Beautiful Noise,
If You Know What I Mean,
Brooklyn Roads,
Shilo, Nothing But A Heartache,
Something Blue, The Art Of Love,
Forever In Blue Jeans, Cherry, Cherry,
Crunchy Granola Suite, Holly Holy,
I Am…I Said, Cracklin’ Rosie,
Sweet Caroline,
Brother Love’s Traveling Salvation Show,
Heartlight

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